Teil 1: 5 Gründe für IGL 

UFO hat seinerzeit die Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) mit ins Leben gerufen und war eine der treibenden Kräfte hinter der Idee.  

Mittlerweile ist die IGL seit etwas mehr als zwei Jahren gegründet und hat ihre Arbeit längst aufgenommen.  

Nun stehen Reformen und die nächsten Schritte an. Das hat unter anderem dazu geführt, dass auch aus der Mitgliedschaft der UFO Fragen zur IGL insgesamt und dem Verhältnis zur UFO im Speziellen aufgekommen sind. Insbesondere auf der letzten UFO-Mitgliederversammlung wurde IGL intensiv diskutiert, was wir sehr begrüßen. Unter anderem aus dieser Diskussion heraus, wollen wir hier nochmals auf die Gründe für IGL und die zentralen Fragen aus Sicht der Kabine eingehen.  

Dies ist Teil 1 von 3 einer Infoserie über IGL für die Kabine. 

IGL als EUROPA 

Die jetzige Situation zwischen IGL und UFO lässt sich mit dem Verhältnis zwischen Europa und Deutschland vergleichen. Deutschland ist als einer der stärksten Gründer in die EU gegangen. Viele haben gefragt was das bringen soll und was das kostet. Viele konnten nicht direkt greifen, was Europa Deutschland oder ihnen selbst bringen soll.  

Auch heute hat nicht jeder zu Europa eine emotionale Bindung, aber die Folgen von stabiler Einheitswährung, Freizügigkeit, mehr Verbraucherrechten oder den Wegfall von Roaminggebühren schätzt eine Mehrheit der Deutschen.  

In den Augen vieler Europäer wurde zu wenig über die Vision, die Ziele und die Möglichkeiten von Europa gesprochen. Weil wir nicht die gleichen Fehler machen wollen, werden wir die Themen wo immer möglich aufgreifen und mit allen Interessierten diskutieren.   

Thorsten Spreu: Wir hatten die gleichen Diskussionen in der TGL  

Thorsten Spreu, stellvertretender Vorsitzender der IGL und Vorstand der TGL, hat uns Kabinenvertreter ein Stück weit beruhigt. Er sagte auf der IGL-Mitgliederversammlung, dass ähnliche Diskussionen bei der TGL stattfanden. Anders als für UFO-Mitglieder gab es nämlich für die TGL-Mitglieder von Anfang an nur die Möglichkeit einer Doppelmitgliedschaft. Die Kabine holt im Zuge einer Reform bei IGL diese wichtige und richtige Diskussion nach. Wir sind zuversichtlich, dass diese Diskussion fruchtbar ist, da die Kabine einen hohen Organisationsgrad hat, sich um ihre Belange kümmert und es viele gute Argumente für eine mitbestimmte, starke IGL gibt.   

Diese Infoserie bildet den Anfang einer breiten Diskussion über IGL im Allgemeinen und die Kabine in der IGL im Besonderen.   

IGL - wieso, weshalb, warum?  

Wie so oft gibt es nicht den einen Grund, warum man etwas so Weitreichendes wie die IGL an den Start bringt. Wir wollen hier auf die 5 wichtigsten Gründe eingehen:  

1. Der Luftverkehr in der Abwärtsspirale 

Gerade Billigflieger haben eine Dynamik in unser Geschäft gebracht, wie sie Ihresgleichen sucht. Preise für Flugtickets sind rasant gefallen und tun das noch immer. Eine Airlinegröße wie Lufthansa schickt mit viel Druck Eurowings auf den Markt, um einen eigenen Billigflieger im Rennen zu haben. Mit den billigen Tickets kommt allerdings auch Druck auf die Arbeitsbedingungen. Länger arbeiten für weniger Geld ist für viele Beschäftigte, gerade an den Flughäfen, längst Realität. Diese Bedingungen sind dann der neue Maßstab für die Arbeitgeber: In Tarifverhandlungen wird sich immer an den Billigsten orientiert, eine Absenkungsforderung jagt die Nächste. Für diese Kollegen gibt es bisher keinerlei Berufsgewerkschaft, die diese Abwärtsspirale aufhalten kann. Dieser Trend kann nur durchbrochen werden, indem auch die “weißen Flecken” in der Tariflandschaft verschwinden, die heute entweder schlecht oder gar nicht tarifiert sind. Das kann von der IGL erreicht werden und es wird höchste Zeit dafür. Denn wie hart Arbeitgeber in ihren Positionen geworden sind, hat Lufthansa gezeigt, die lieber hunderte von Millionen in Arbeitskämpfe investierte, als sich mit den Interessen der Gewerkschaft auseinanderzusetzen. Will das fliegende Personal langfristig seine Arbeits- und Vergütungsbedingungen halten, muss es darauf achten, dass um es herum nicht alles ins bodenlose abfällt. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass es bereits “weiße Flecken” beim fliegenden Personal mit Ryanair und Co. gibt. Sich um die Einen ohne die Anderen zu kümmern, wäre eine sinnlose Therapie und verlängerte nur die Zeit bis zum Befall der Arbeitsbedingungen des fliegenden Personals.  

2. Tarifeinheitsgesetz 

Auch das Tarifeinheitsgesetz ist nach wie vor eine Gefahr für Spartengewerkschaften. Das Prinzip “ein Betrieb - ein Tarifvertrag” wurde durch das Bundesverfassungsgericht sogar bestätigt. Als reine Berufsvertretung droht deshalb jederzeit die Verdrängung durch jemanden, dessen Organisationsbereich alle Berufsarten abdeckt. Wie real diese Gefahr ist, durften wir unlängst bei Eurowings erfahren, wo ver.di zuletzt aus dem Stand, ohne nennenswerte Mitglieder bei den Piloten, aber durch ihre Vertretung in allen Mitarbeitergruppen, einen Tarifvertrag für die Piloten abgeschlossen hat. Der VC blieb darauf nichts anderes übrig als den Tarifvertrag von ver.di nachzuzeichnen. Mit der Möglichkeit von (unter anderem) ver.di alle Mitarbeiter eines Flugbetriebes zu organisieren, droht den Berufsgewerkschaften langfristig die Verdrängung. Denn sie können aus sich heraus niemals die Gewerkschaft werden, die alle vertritt - egal wie gut sie in ihrem eigenen Berufsstand organisiert ist.   

3. Mächtigkeit nach Außen  

Wenn UFO heute in den Medien oder der Politik auftaucht und sagt, sie vertrete die Interessen von 30.000 Flugbegleitern, dann hat das Gewicht. Was aber passiert wenn eine IGL kommt und die Interessen von 180.000 Mitarbeitern und bis zu 800.000 damit zusammenhängenden Familienangehörigen - also der gesamten Luftverkehrsindustrie - vertritt? Wir haben es gerade am Fall airberlin gesehen: IG-Metall hätte vermutlich andere Mittel gehabt, um alle airberlin-Mitarbeiter vor den Absprachen zwischen LH und Regierung zu schützen. Da es viele Punkte gibt, die uns alle in der Industrie betreffen, ist diese Mächtigkeit nach außen ein sehr wichtiger Punkt pro-IGL.  

4. Geschlossenheit 

Die Satzung der IGL ist so gestrickt, dass die Hoheit über tarifliche Entscheidungen weiterhin bei den einzelnen Berufsgruppen liegt. Doch eine bessere Abstimmung über generelle politische Weichenstellungen zwischen den einzelnen Beschäftigtengruppen kann nur nutzen. In der Vergangenheit gab es immer wieder Situationen wo Boden gegen Cockpit oder Kabine im Windschatten von Cockpit stand. Eine gemeinsame Einheit in der IGL, in der man sich intern über Vorgehensweisen abstimmt und Energien bündelt, ohne die eigene Autonomie zu verlieren, ist einer der besten Gründe für eine IGL. Hoffentlich bald mit noch mehr Gewerkschaften neben TGL, UFO und GdF.   

5. Synergien / Kosten 

Auch wenn Gewerkschaften keine Wirtschaftsbetriebe sind, so müssen sie dennoch aufs Geld achten. Nicht zuletzt deshalb wollen und müssen wir mit den Mitteln die wir haben, die größtmögliche Wirkung entfalten. Heute macht jede Berufsgruppe Dinge wie Rechtsschutz, politische Lobbyarbeit in Berlin und Brüssel, Mitgliederverwaltung und vieles mehr nur für sich. Jeder hat seine Mitarbeiter, externe Berater, Softwarelösungen und sonstige Kostenpunkte für identische Interessen und Aufgaben. Dafür wird ein nicht unerheblicher Teil der Mitgliedseinnahmen ausgegeben. Ein Teil davon ließe sich in der IGL bündeln und würde damit auch finanzielle Spielräume schaffen, die heute nicht da sind.  

IGL = ver.di 2.0?  

Nein. Allein schon wegen des Fokus auf eine einzige Branche, ist IGL etwas ganz anderes. Obendrein unterscheidet die Struktur der IGL streng nach Berufsgruppen, so dass das Prinzip der Spartengewerkschaft weitergeführt wird. Jede Gruppe soll, darf und muss sich selbst vertreten in sogenannten Bereichen. Die Bereiche arbeiten autonom für ihre tariflichen und berufspolitischen Interessen. Im Klartext heißt das: wer, warum und wieviel fordert, ist allein Sache eines Bereichs. Entscheidet sich ein Bereich nichts zu tun, kann das niemand overrulen und vorschreiben was zu tun ist. 

Zusammengefasst: Interessenvertretung nur einer Branche, eine Struktur nach dem Vorbild von Berufsgewerkschaften und die Autonomie der einzelnen Bereiche sind Grundverständnis der IGL und damit himmelweit von ver.di entfernt.  

Im 2. Teil werden wir Euch über die aktuellen Vorgänge bei IGL und die anstehenden Veränderungen für die Kabine informieren. 


 

 

 

Teil 2: Was tut sich in der IGL? 

Die ersten zwei Jahre 

Mittlerweile sind rund 2 Jahre seit Gründung der IGL vergangen und wir haben in dieser Zeit intensiv am Aufbau der nötigen Voraussetzungen gearbeitet, um die IGL als schlagkräftige Gewerkschaft aufzustellen. Dabei haben UFO, TGL und IGL eng zusammengearbeitet und einen Kooperationsvertrag mit der GdF auf den Weg gebracht. 

Bei Betriebsratswahlen in den verschiedenen Betrieben ist IGL angetreten. Bei Lufthansa Technik in Frankfurt haben wir die absolute Mehrheit der Sitze geholt und stellen sogar den Betriebsratsvorsitzenden. Zudem spitzt sich gerade bei LHT die Situation zu, sodass es zur ersten harten Auseinandersetzung zwischen IGL und einem Arbeitgeber kommen kann.  

Satzungsänderung der IGL - was heißt das für Kabine und UFO  

Vor wenigen Wochen haben wir auch formale Anpassungen auf den Weg gebracht und gehen jetzt mit einer neuen Satzung in die anstehenden Herausforderungen. Das bedeutet auch einige Veränderungen in der Zusammenarbeit mit der UFO und für die UFO Mitglieder. Ursprünglich war UFO als Organisation Mitglied der IGL, was sich nun ändern wird. Zwar bleibt die UFO ein Mitglied der IGL, doch um möglichst rechtssichere Strukturen mit Blick auf die formale Gewerkschaftsfähigkeit aufzubauen, sollen UFO-Mitglieder nun ohne weitere Kosten oder Pflichten, Doppelmitglieder in der IGL und der UFO sein. Das haben die TGL-Mitglieder schon sehr erfolgreich vorgemacht. Die Doppelmitgliedschaft ist allerings keine einfache Dreingabe, sondern für die Kabine insegesamt wichtig, um ihre Stärke innerhalb der IGL zu festigen. Denn nur wer in großem Stil mitmacht, kann auch im großen Stil mitbestimmen. 

Diese und weitere Änderungen waren nötig, um in der täglichen Arbeit die Handlungsfähigkeit zu erhalten. Die ursprüngliche Satzung als sogenanntes Hybridkonstrukt war innovativ und bisher einmalig in der Gewerkschaftslandschaft. Allerdings gibt es rechtliche Anforderungen an die Frage, ob eine Gewerkschaft auch wirklich eine Gewerkschaft ist. Diese Anforderungen wurden von Rechtswissenschaftlern und Arbeitgebern nach der Gründung der IGL begutachtet. Und wie das so ist bei Rechtsfragen: Es gibt keine Wahrheit. Allerdings waren die Bedenken profund vorgetragen, sodass die Entscheidung leicht fiel, mit der richtigen und wichtigen Idee der IGL keine Experimente zu machen. Die Verantwortlichen haben sich deshalb auf eine Änderung der Satzung geeinigt und der Mitgliedschaft zur Abstimmung vorgelegt. Damit sind die Bedenken ausgeräumt und die Handlungsfähigkeit der IGL gesichert.  

Doppelmitgliedschaft  

Die Doppelmitgliedschaft hat für UFO Mitglieder ausschließlich Vorteile. Mit der zweiten Mitgliedschaft schließt sich jeder Kabinenmitarbeiter ohne weitere Kosten unserer Schwestergewerkschaft an und kann damit unmittelbar Einfluss auf Politik und Ausrichtung der IGL ausüben. Damit ist sichergestellt, daß die Kabine aufgrund der Anzahl der Kabinenmitarbeiter ihre starke Stimme in der IGL behält. Als Doppelmitglied bestimmen wir, wer als Bereichsvorstand oder in anderen Gremien unsere Interessen in der IGL vertritt. Dazu werden wir nochmal gesondert informieren.  

Neuer Mitgliedsvertrag für die UFO  

Da sich die Rahmenbedingungen durch die Satzungsänderung etwas verändert haben, wird derzeit ein veränderter Vertrag zwischen UFO und IGL ausgearbeitet. Der Vertrag regelt die Beziehung zwischen beiden Gewerkschaften sowie die wechselseitigen Rechte und Pflichten.   

Ihr fragt, Ihr bekommt Antworten 

Auch aus den Gremien der UFO heraus wurde immer wieder der Wunsch geäußert, neben dem Austausch innerhalb der UFO auch weitere Formate anzubieten, um die Gründe für IGL sowie die weiteren Entwicklungen rund um dieses Thema auch im persönlichen Gespräch direkt mit Funktionsträgern der IGL zu vertiefen. Für all Eure Fragen erreicht ihr die IGL unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Von dort aus lösen wir gerne Eure Fragezeichen auf und werden sie gegebenenfalls in die FAQ aufnehmen.   

Zu guter letzt: War IGL eine richtige Entscheidung?   

Es war in jedem Fall die richtige Entscheidung den sich abzeichnenden Trends bei Arbeitgebern, Politik und Gesellschaft anzunehmen. Ohne IGL hätten wir nach den Entwicklungen der vergangenen Jahre, großen Nachholbedarf. Doch auch die Reaktionen unserer Gegenüber zeigen, dass die Idee der IGL in einen Nerv getroffen hat: Arbeitgeber müssen verklagt werden, damit die IGL die gleichen Rechte wie alle anderen Verbände ebenfalls bekommt. Jüngst hat Lufthansa Technik eine Aktion der IGL in Hamburg sogar durch die Polizei unterbinden lassen. Diese Gegenwehr spricht für uns dafür, dass der Erfolg der IGL für andere eine Bedrohung ist, weil sie für ihre Mitglieder ein großer Vorteil sein kann. Auch aus der Politik und sogar von Mitgliedern des DGB bekommen wir die Rückmeldung, dass das Ziel zwar sehr hoch gesetzt sei - doch allemal überfällig und erreichenswert.  

Im 3. und letzten Teil der Infoserie stellen wir FAQ zur Verfügung, die uns bereist bekannte Fragen und Vorbehalte der Kabine aufgreift. 


 

 

Teil 3: FAQ 

Im letzten Teil der Serie möchten wir über FAQ die uns bereits bekannten Fragen aufgreifen und beantworten. Diese Fragensammlung soll leben und wird im Laufe der Zeit mit den von gestellten Fragen ergänzt. Um uns eine Frage zu stellen, schickt einfach eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, schreibt und bei facebook (@IGLuftverkehr) oder ruft an. 

 

Besteht die Gefahr, dass UFO von der IGL bzw. einem Bereich in der IGL dominiert wird? 

Die Kabine stellt innerhalb des Luftverkehrs die größte Berufsgruppe und damit automatisch auch den größten Bereich innerhalb der IGL. Eine Dominanz über die Kabine durch einen anderen Bereich ist aus UFO-Sicht nicht möglich. So sind beispielsweise selbst relativ große Bereiche wie die Security mit 23.000 Beschäftigten und die Bodenverkehrsdienste mit 19.000 Beschäftigten jeweils deutlich kleiner als die Kabine.

Wenn IGL irgendwann so erfolgreich ist, dass sie über 100.000 Mitglieder im Luftverkehr hat, müssten sich immer noch alle anderen Bereiche zusammenschließen, um die Kabine zu überstimmen. Das ist ein sehr theoretischer und unwahrscheinlicher Fall. Aber selbst das wäre nicht problematisch für die Kabine. Der IGL-Vorstand kann satzungsgemäß viele Themen gar nicht entscheiden. Tarifforderungen, berufspolitische Themen und vieles mehr werden im Kabinenbereich selbst entschieden. Und generell gilt hier: Der beste Schutz davor dominiert zu werden, ist selbst dominanteste Kraft zu sein. 

Außerdem bleibt UFO als unabhängige Gewerkschaft bestehen und kann jederzeit, falls die Kabineninteressen in der IGL nicht mehr gewährleistet sind, aus der IGL-Zusammenarbeit ausscheren. Ohne wenn und aber.   

Was passiert, wenn nur wenige UFO-Mitglieder Doppelmitglieder werden? Hat dann die Stimme der UFO im Vergleich zu anderen Bereichen der IGL nicht ein geringeres Gewicht?  

Deswegen ist die kostenlose Doppelmitgliedschaft so wichtig, denn nur wer dabei ist, kann auch mitbestimmen und gestalten. In der TGL gibt es diese Situation schon seit Anfang an. Dort haben sich mittlerweile, ebenfalls nach anfänglichen Diskussionen, die große Mehrheit der Mitglieder zu einer Doppelmitgliedschaft entschieden. Warum auch nicht: Sie ist nicht mit zusätzlichen Kosten oder Pflichten verbunden.  

Sind der UFO-Vorstand und der Bereichsvorstand Kabine der IGL identisch?  

Das ist die logischste Variante, welche die TGL heute schon lebt. Da der UFO-Vorstand von den gleichen Mitgliedern gewählt wird wie der Kabinenvorstand innerhalb der IGL, gibt es erstmal keinen Grund, hüben wie drüben nicht die gleichen Menschen zu wählen. Es sei denn die UFO entscheidet sich bewusst für unterschiedliche Kandidaten, z.B. zur Arbeitsteilung. Eine Konkurrenz kann aber auch dann nicht entstehen, da man als Kabinenmitarbeiter nicht IGL-Mitglied werden kann, ohne UFO-Mitglied zu sein.   

Wer bestimmt den Bereichsvorstand des Bereichs Kabine?   

Der Bereich Kabine in der IGL, der vertragsgemäß ausschließlich aus UFO-Mitgliedern besteht, wählt seinen Bereichsvorstand selbst.  

Was passiert, wenn der Bereichsvorstand Kabine und der UFO-Vorstand sich uneins sind?  

Falls diese beiden Vorstände auf eigenes Betreiben hin unterschiedlich sind, gibt es sowohl in der IGL als auch in der UFO Satzung fest verankerte Konfliktlösungsmechanismen für solche Fälle, die dann erstmal ausgeschöpft würden. Sollten nach allen Bemühungen diese Mechanismen zu keinem tragfähigen Ergebnis führen, kann die UFO die Beziehung zur IGL sehr einfach auflösen.  

Was passiert mit den Doppelmitgliedern, wenn die UFO sich entschließt, ihre Zusammenarbeit mit der IGL zu beenden? Besteht dann nicht die Gefahr einer konkurrierenden Organisation?  

Die IGL ist eine eigenständige Gewerkschaft. Wenn UFO sich entschließen würde, aus der IGL auszuscheiden, sind dennoch alle IGL-Kabinenmitglieder UFO-Mitglieder und die UFO kann den Mitgliedern erläutern, warum sie diesen Schritt vollzogen hat. Außerdem ist dann immer noch (wahrscheinlich) der UFO-Vorstand geschlossen auch im Kabinenbereichsvorstand und kann mit den direkten IGL-Mitgliedern die dementsprechenden Dinge beschließen: von Austritt über Korrektur - alles innerhalb der IGL. Und selbstverständlich stehen immer die demokratischen Mittel zur Verfügung.  

Wie groß ist das Mitglieder-Potenzial der IGL?  

Insgesamt sind im Luftverkehr ca. 180.000 Menschen beschäftigt, die IGL-Mitglied werden könnten. Im Gegensatz dazu sind ca. 40.000 Flugbgegleiter in Deutschland tätig. Kein anderer Einzelbereich (Technik, Administration, Bodenverkehrsdienste, Piloten, Lotsen, Management usw.) ist so groß wie die Kabine.   

Warum finanziert die UFO die IGL maßgeblich?  

UFO hat 2014 in Vorbereitung der IGL ein eigenes Interesse an der Gründung der IGL gehabt. Wie immer, wenn man etwas mit an den Start bringen will, entstehen Anlaufkosten. Wenn UFO nicht der Meinung gewesen wäre, dass sich das mittelfristig nicht nur lohnt, sondern auch finanzierbar ist, hätte es diese Anschubfinanzierung nicht gegeben. Dies wurde auch auf den folgenden Mitgliederversammlungen der UFO immer wieder transparent gemacht. Die laufenden Kosten werden übrigens nicht maßgeblich von einzelnen Playern getragen. Alle Mitglieder zahlen 1% ihres Einkommens und alle Mitgliedsverbände/Gewerkschaften zahlen gleichermaßen 15% ihrer Mitgliedseinnahmen. UFO hatte sich sogar, weil sie die größte Gewerkschaft ist, einen Sonderpassus in den Vertrag schreiben lassen, der ihr ermöglicht einen Teil davon in Form von Gegenleistungen zu erbringen und diesen Beitrag von ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit abhängig gemacht. Bisher hat man sich auf einen sehr viel geringerer Betrag als 15% der Mitgliedseinnahmen geeinigt.   

Machen andere Berufsgruppen und ihre Verbände wie VC oder GdF auch mit?  

AGIL, VC, GdF, TGL und UFO waren die Organisationen, die von Anfang an über die IGL geredet haben. Aufgrund der jeweils eigenen Situation und Einschätzung haben alle Organisationen ihre eigene Entscheidung getroffen, wie eng sie von Anfang an dabei sein wollen. Theoretisch benötigt IGL keine Mitgliedschaft anderer Gewerkschaften, sondern kann auch über Kooperationen agieren. Natürlich wünschen wir uns, eine möglichst gut abgestimmte Zusammenarbeit mit allen Berufsverbänden und Gewerkschaften im Luftverkehr und IGL macht den bestehenden Berufsgewerkschaften auf keinen Fall Konkurrenz. So schließt IGL z.B. aus, Lotsen oder Piloten separat zu organisieren.   

Haben nur die UFO-Mitglieder/Funktionäre Fragezeichen was die IGL angeht?  

Natürlich, und auch hier sei noch einmal die Analogie zu Europa erlaubt, gibt es ganz viele Fragen, Anregungen und auch Vorbehalte gegen etwas so umfangreiches Neues wie die IGL. Wir freuen uns aber, dass aus allen Ecken die Diskussion lebhaft geführt wird und auch darüber, dass es überall glühende Verfechter und Vordenker dieser Idee gib.   

Was sind die Vorteile der IGL für die UFO und für Flugbegleiter allgemein?  

Für Fachgewerkschaften ist das Tarifeinheitsgesetz immer eine potenzielle Drohung, da sie nur einzelne Berufsgruppen vertreten. Mit der IGL ist die Kabine deutlich schlagkräftiger aufgestellt und kann nicht so leicht verdrängt werden. 

Des Weiteren entstehen Synergieeffekte. UFO hat sich seit 2012 deutlich breiter und professioneller aufgestellt und ist personell gewachsen. Bisher machen verschiedene Verbände und Interessengruppen teilweise die gleiche Arbeit mit hohem finanziellen Aufwand. Dies zu konsolidieren, schafft uns finanzielle Freiräume für weitere Handlungsfelder. 

Und last but not least sind wir natürlich als größere Gruppe in vielerlei Hinsicht schlagkräftiger. 

Siehe hierzu auch die Einleitung dieses Textes (5 Gründe für IGL)   

Droht ein Autonomieverlust der UFO durch die IGL?  

Nein, die inhaltlichen Themen der Kabine werden im Bereich Kabine erarbeitet und umgesetzt. 

Die Satzung verhindert hier sehr strikt, dass in der IGL die Probleme auftreten, die wir ja z.B aus der ver.di kennen, wo alle unkontrolliert über einen Kamm geschoren werden. Daher bleibt die UFO autonom bestehen, mit allen Rechten und Pflichten die sie heute auch schon hat. Auch in der IGL werden die Kabinenthemen, wie in allen anderen Bereiche auch, nicht durch den Vorstand der IGL, sondern durch den Bereichsvorstand entschieden.  

UFO kann Dinge mit der IGL abstimmen oder per Vertrag entscheiden, dass Teile der Arbeit in der IGL und nicht mehr nur in der UFO stattfinden. Aber niemand kann den UFO-Mitgliedern und den UFO-Gremien einen Vertrag oktroyieren, der in den Augen der UFO-Mitglieder zu Autonomieverlust führt. Wenn sich das ändert oder Nachfolger in der UFO das Ganze anders sehen, können Sie den Vertrag mit der IGL jederzeit wieder auflösen und sich wieder völlig alleine um die Kabine kümmern.  

Welche Rolle wird der Beirat der UFO noch spielen, wenn die UFO-Mitglieder Doppelmitglieder der IGL werden?  

Für den Beirat der UFO ändert sich nichts, seine Aufgaben, Rechte und Pflichten sind in der UFO-Satzung geregelt. Solange es die UFO gibt oder sich die UFO nicht dazu entscheidet, hat IGL keinen Einfluss auf die Aufgaben und die Rolle des UFO-Beirats.  

Ist der Bereich Kabine im Beirat der IGL unterrepräsentiert im Vergleich zu seiner Mitgliederstärke?  

Bisher, mit der alten Satzung, war die UFO automatisch mit allen Mitgliedern in der IGL vertreten. Mit der neuen Satzung gilt das ab sofort für die Doppelmitglieder. Innerhalb der IGL wird bei Abstimmungen nicht nur die Anzahl der Beiratsmitglieder entscheiden, sondern auch die Anzahl der vertretenen Mitglieder (Member-Votes - siehe § 18 der IGL-Satzung). So müssten sich, wenn überhaupt, die anderen Bereiche Sorgen machen, die zahlenmäßig auf jeden Fall kleiner sein werden als die Kabine.  

UFO hat viele Entwicklungen durch - muss das bei IGL alles neu gemacht werden?   

Nein - denn, wie bereits in anderen FAQ-Teilen beschrieben, wird der IGL-Kabinenbereich sinnvollerweise durch die gleichen Personen wie bei UFO geleitet und diese können auch entscheiden, dass Regelungen (z.B. der Minderheitenschutz bei Wahlen für kleine Airlines, Solidarklauseln für Geringverdiener und Erziehende und und und) identisch wie in der UFO gehandhabt werden.   

Wer entscheidet über den UFO-Mitgliedsvertrag mit der IGL   

Der Vorstand jeder Organisation führt die Geschäfte. So entscheidet auch formal der UFO-Vorstand über solche Verträge. Allerdings steht es jedem Leitungsgremium gut zu Gesicht, solche weitreichenden Entscheidungen mit der Mitgliedschaft zu diskutieren. Das ist auf den Mitgliederversammlungen der UFO in den vergangenen Jahren auch geschehen. Außerdem sieht das Vereinsrecht unumstößlich vor, dass jedes Thema auf Antrag von Mitgliedern auf der MV auch wieder geändert werden kann.   

Müssen wir dann als UFO-Mitglieder nicht für weniger “wehrhafte” Kollegen mitstreiken?   

Im Luftverkehr reicht es regelmäßig, dass eine Berufsgruppe streikt, um alles lahm zu legen - seien es Piloten, Mitarbeiter des Sicherheitspersonals, Fluglotsen, Check-in Agents oder eben Flugbegleiter. Allerdings ist es auch ein Ziel der IGL, dass sich die Beschäftigten solidarisieren. Solidarität hat jedoch keinen unbedingten Selbstzweck und Streik ist und bleibt das letzte aller Mittel in einer Tarifauseinandersetzung. Deshalb wird auch niemand einfach “mitstreiken” - schon gar nicht die Kabine. Doch wir glauben, dass schärfer auftretende Arbeitgeber auch schärfere Antworten brauchen. Sollte es sich also aus laufenden Tarifauseinandersetzungen ergeben, kann und soll es durchaus sein, dass verschiedene Berufsgruppen parallel oder gar abgestimmt in den Ausstand treten. Dieser gemeinsame Druck ist Teil des größeren Hebels, den wir der Kabine und allen anderen Beschäftigten verschaffen wollen. Denn die Aussicht auf einen Erfolg durch Streik durch nur eine Berufsgruppe hat sich deutlich verändert. 15 Streikwellen der VC und die harte Haltung der Lufthansa zeigen, dass abgestimmte Tarifbewegungen für die Arbeitnehmer im Luftverkehr eine wichtige Option sind.  

Werden wir von Partikularinteressen anderer Bereiche abhängig?   

Die Frage ließe sich andersrum ebenfalls stellen: Sind andere Bereiche von den Partikularinteressen der Kabine abhängig? Klare Antwort: Nein. Die Bereiche handeln und entscheiden für sich selbst. Jedes Partikularinteresse hat wie immer seine Berechtigung, wenn es demokratisch durchgesetzt werden kann. Hier bildet die Willensbildung der IGL keine Ausnahme, schon gar nicht innerhalb der Bereiche, die autonom für sich selbst entscheiden, welche Interessen sie vertreten möchten.  

Wie ist die Stimmgewichtung im IGL-Vorstand? Hat der Bereich Kabine aufgrund seiner Mitgliederstärke eine höhere Stimmgewichtung pro Vorstandsmitglied als andere Bereiche?  

Bei der Abstimmung im Vorstand verfügen die Vorstände für ihre Bereich über die gleiche Anzahl Stimmen, wie der Bereich Mitglieder hat, den sie vertreten. Auch deshalb ist es so wichtig, dass möglichst viele UFO-Mitglieder die Doppelmitgliedschaft in der IGL annehmen, damit die Kabine entsprechend ihrer Stärke repräsentiert und agieren kann innerhalb der IGL.  

Wie viele Vorstandsmitglieder hat die IGL? Wie werden diese bestimmt?  

Zur Zeit schickt jeder Bereich 2 Mitglieder in den IGL-Vorstand. Sie werden von den Bereichsvorständen benannt, die wiederum von den Mitgliedern des Bereichs gewählt werden. Sobald es innerhalb der IGL mehr als sechs Bereiche gibt, schickt jeder Bereich noch ein Mitglied in den IGL-Vorstand, um das Gremium nicht zahlenmäßig zu überfordern.   

Ist geplant, dass sich UFO irgendwann in der IGL auflöst?  

Ganz klar NEIN - warum auch - IGL soll nie ein Gemischtwarenladen werden. Viele Punkte, das zeigt die Erfahrung von UFO, VC etc., sind in einer berufsständischen Vertretung richtig aufgehoben. Die UFO soll autark und eigenständig weiterarbeiten, aber die Synergien und die Stärkung, welche die IGL mit sich bringen kann, nutzen.   

Wie profitiere ich als UFO Mitglied jetzt und perspektivisch von der IGL?  

Als UFO-Mitglied verlierst Du nichts und musst auch nicht mehr investieren. Du profitierst aber indirekt von allem was die IGL für ihre Mitglieder macht. Die Bedrohung, als kleinere Gewerkschaft vom Tariftisch gejagt zu werden ist weg. Die Probleme, dass die Flugbegleiter als kleine aber sehr spezifische Gruppe nicht ausreichend vom Gesetzgeber und der Industrie wahrgenommen wird, lassen sich besser lösen. 

 

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