Teil 1: 5 Gründe für IGL 

UFO hat seinerzeit die Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) mit ins Leben gerufen und war eine der treibenden Kräfte hinter der Idee.  

Mittlerweile ist die IGL seit etwas mehr als zwei Jahren gegründet und hat ihre Arbeit längst aufgenommen.  

Nun stehen Reformen und die nächsten Schritte an. Das hat unter anderem dazu geführt, dass auch aus der Mitgliedschaft der UFO Fragen zur IGL insgesamt und dem Verhältnis zur UFO im Speziellen aufgekommen sind. Insbesondere auf der letzten UFO-Mitgliederversammlung wurde IGL intensiv diskutiert, was wir sehr begrüßen. Unter anderem aus dieser Diskussion heraus, wollen wir hier nochmals auf die Gründe für IGL und die zentralen Fragen aus Sicht der Kabine eingehen.  

Dies ist Teil 1 von 3 einer Infoserie über IGL für die Kabine. 

IGL als EUROPA 

Die jetzige Situation zwischen IGL und UFO lässt sich mit dem Verhältnis zwischen Europa und Deutschland vergleichen. Deutschland ist als einer der stärksten Gründer in die EU gegangen. Viele haben gefragt was das bringen soll und was das kostet. Viele konnten nicht direkt greifen, was Europa Deutschland oder ihnen selbst bringen soll.  

Auch heute hat nicht jeder zu Europa eine emotionale Bindung, aber die Folgen von stabiler Einheitswährung, Freizügigkeit, mehr Verbraucherrechten oder den Wegfall von Roaminggebühren schätzt eine Mehrheit der Deutschen.  

In den Augen vieler Europäer wurde zu wenig über die Vision, die Ziele und die Möglichkeiten von Europa gesprochen. Weil wir nicht die gleichen Fehler machen wollen, werden wir die Themen wo immer möglich aufgreifen und mit allen Interessierten diskutieren.   

Thorsten Spreu: Wir hatten die gleichen Diskussionen in der TGL  

Thorsten Spreu, stellvertretender Vorsitzender der IGL und Vorstand der TGL, hat uns Kabinenvertreter ein Stück weit beruhigt. Er sagte auf der IGL-Mitgliederversammlung, dass ähnliche Diskussionen bei der TGL stattfanden. Anders als für UFO-Mitglieder gab es nämlich für die TGL-Mitglieder von Anfang an nur die Möglichkeit einer Doppelmitgliedschaft. Die Kabine holt im Zuge einer Reform bei IGL diese wichtige und richtige Diskussion nach. Wir sind zuversichtlich, dass diese Diskussion fruchtbar ist, da die Kabine einen hohen Organisationsgrad hat, sich um ihre Belange kümmert und es viele gute Argumente für eine mitbestimmte, starke IGL gibt.   

Diese Infoserie bildet den Anfang einer breiten Diskussion über IGL im Allgemeinen und die Kabine in der IGL im Besonderen.   

IGL - wieso, weshalb, warum?  

Wie so oft gibt es nicht den einen Grund, warum man etwas so Weitreichendes wie die IGL an den Start bringt. Wir wollen hier auf die 5 wichtigsten Gründe eingehen:  

1. Der Luftverkehr in der Abwärtsspirale 

Gerade Billigflieger haben eine Dynamik in unser Geschäft gebracht, wie sie Ihresgleichen sucht. Preise für Flugtickets sind rasant gefallen und tun das noch immer. Eine Airlinegröße wie Lufthansa schickt mit viel Druck Eurowings auf den Markt, um einen eigenen Billigflieger im Rennen zu haben. Mit den billigen Tickets kommt allerdings auch Druck auf die Arbeitsbedingungen. Länger arbeiten für weniger Geld ist für viele Beschäftigte, gerade an den Flughäfen, längst Realität. Diese Bedingungen sind dann der neue Maßstab für die Arbeitgeber: In Tarifverhandlungen wird sich immer an den Billigsten orientiert, eine Absenkungsforderung jagt die Nächste. Für diese Kollegen gibt es bisher keinerlei Berufsgewerkschaft, die diese Abwärtsspirale aufhalten kann. Dieser Trend kann nur durchbrochen werden, indem auch die “weißen Flecken” in der Tariflandschaft verschwinden, die heute entweder schlecht oder gar nicht tarifiert sind. Das kann von der IGL erreicht werden und es wird höchste Zeit dafür. Denn wie hart Arbeitgeber in ihren Positionen geworden sind, hat Lufthansa gezeigt, die lieber hunderte von Millionen in Arbeitskämpfe investierte, als sich mit den Interessen der Gewerkschaft auseinanderzusetzen. Will das fliegende Personal langfristig seine Arbeits- und Vergütungsbedingungen halten, muss es darauf achten, dass um es herum nicht alles ins bodenlose abfällt. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass es bereits “weiße Flecken” beim fliegenden Personal mit Ryanair und Co. gibt. Sich um die Einen ohne die Anderen zu kümmern, wäre eine sinnlose Therapie und verlängerte nur die Zeit bis zum Befall der Arbeitsbedingungen des fliegenden Personals.  

2. Tarifeinheitsgesetz 

Auch das Tarifeinheitsgesetz ist nach wie vor eine Gefahr für Spartengewerkschaften. Das Prinzip “ein Betrieb - ein Tarifvertrag” wurde durch das Bundesverfassungsgericht sogar bestätigt. Als reine Berufsvertretung droht deshalb jederzeit die Verdrängung durch jemanden, dessen Organisationsbereich alle Berufsarten abdeckt. Wie real diese Gefahr ist, durften wir unlängst bei Eurowings erfahren, wo ver.di zuletzt aus dem Stand, ohne nennenswerte Mitglieder bei den Piloten, aber durch ihre Vertretung in allen Mitarbeitergruppen, einen Tarifvertrag für die Piloten abgeschlossen hat. Der VC blieb darauf nichts anderes übrig als den Tarifvertrag von ver.di nachzuzeichnen. Mit der Möglichkeit von (unter anderem) ver.di alle Mitarbeiter eines Flugbetriebes zu organisieren, droht den Berufsgewerkschaften langfristig die Verdrängung. Denn sie können aus sich heraus niemals die Gewerkschaft werden, die alle vertritt - egal wie gut sie in ihrem eigenen Berufsstand organisiert ist.   

3. Mächtigkeit nach Außen  

Wenn UFO heute in den Medien oder der Politik auftaucht und sagt, sie vertrete die Interessen von 30.000 Flugbegleitern, dann hat das Gewicht. Was aber passiert wenn eine IGL kommt und die Interessen von 180.000 Mitarbeitern und bis zu 800.000 damit zusammenhängenden Familienangehörigen - also der gesamten Luftverkehrsindustrie - vertritt? Wir haben es gerade am Fall airberlin gesehen: IG-Metall hätte vermutlich andere Mittel gehabt, um alle airberlin-Mitarbeiter vor den Absprachen zwischen LH und Regierung zu schützen. Da es viele Punkte gibt, die uns alle in der Industrie betreffen, ist diese Mächtigkeit nach außen ein sehr wichtiger Punkt pro-IGL.  

4. Geschlossenheit 

Die Satzung der IGL ist so gestrickt, dass die Hoheit über tarifliche Entscheidungen weiterhin bei den einzelnen Berufsgruppen liegt. Doch eine bessere Abstimmung über generelle politische Weichenstellungen zwischen den einzelnen Beschäftigtengruppen kann nur nutzen. In der Vergangenheit gab es immer wieder Situationen wo Boden gegen Cockpit oder Kabine im Windschatten von Cockpit stand. Eine gemeinsame Einheit in der IGL, in der man sich intern über Vorgehensweisen abstimmt und Energien bündelt, ohne die eigene Autonomie zu verlieren, ist einer der besten Gründe für eine IGL. Hoffentlich bald mit noch mehr Gewerkschaften neben TGL, UFO und GdF.   

5. Synergien / Kosten 

Auch wenn Gewerkschaften keine Wirtschaftsbetriebe sind, so müssen sie dennoch aufs Geld achten. Nicht zuletzt deshalb wollen und müssen wir mit den Mitteln die wir haben, die größtmögliche Wirkung entfalten. Heute macht jede Berufsgruppe Dinge wie Rechtsschutz, politische Lobbyarbeit in Berlin und Brüssel, Mitgliederverwaltung und vieles mehr nur für sich. Jeder hat seine Mitarbeiter, externe Berater, Softwarelösungen und sonstige Kostenpunkte für identische Interessen und Aufgaben. Dafür wird ein nicht unerheblicher Teil der Mitgliedseinnahmen ausgegeben. Ein Teil davon ließe sich in der IGL bündeln und würde damit auch finanzielle Spielräume schaffen, die heute nicht da sind.  

IGL = ver.di 2.0?  

Nein. Allein schon wegen des Fokus auf eine einzige Branche, ist IGL etwas ganz anderes. Obendrein unterscheidet die Struktur der IGL streng nach Berufsgruppen, so dass das Prinzip der Spartengewerkschaft weitergeführt wird. Jede Gruppe soll, darf und muss sich selbst vertreten in sogenannten Bereichen. Die Bereiche arbeiten autonom für ihre tariflichen und berufspolitischen Interessen. Im Klartext heißt das: wer, warum und wieviel fordert, ist allein Sache eines Bereichs. Entscheidet sich ein Bereich nichts zu tun, kann das niemand overrulen und vorschreiben was zu tun ist. 

Zusammengefasst: Interessenvertretung nur einer Branche, eine Struktur nach dem Vorbild von Berufsgewerkschaften und die Autonomie der einzelnen Bereiche sind Grundverständnis der IGL und damit himmelweit von ver.di entfernt.  

Im 2. Teil werden wir Euch über die aktuellen Vorgänge bei IGL und die anstehenden Veränderungen für die Kabine informieren. 

Please publish modules in offcanvas position.